Naturschutzgebiet Billetal
Im Jahre 1987 wurde das Billetal zwischen Grande und Reinbek zusammen mit dem Unterlauf der Corbek auf einer Länge von 17 km unter Naturschutz gestellt. Ganz wesentlich trug dazu der mit vielen biologischen Untersuchungen gestützte Antrag des BUND aus dem Jahre 1981 bei.
Seither besteht eine besondere Verbundenheit des BUND mit dem Billetal: Der Biologe Dr. Friedrich Ullrich betreute bis 2020 für den BUND zusammen mit drei anderen Verbänden in der "Arbeitsgemeinschaft Naturschutzgebiet Billetal" das Gebiet. Das spezielle Interesse von Dr. Ullrich gilt botanischen und gewässerkundlichen Fragen.
Inzwischen betreut Dr. Florian Schulz das Naturschutzgebiet für den BUND. Ebenfalls Biologe, allerdings mit Schwerpunkt Botanik, ist er Spezialist für Moose. Mit seiner breiten Artenkenntnis, auch für zahlreiche Tiergruppen, ist er mit Belangen des Naturschutzes bestens vertraut.
Wir bieten naturkundliche Exkursionen unter der Führung von Biologen und Natur- und Landschaftsführern in das Naturschutzgebiet Billetal an.
Das verborgene Leben auf dem Grund der Bille
Die folgenden Bilder zeigen die Wirbellosen-Fauna in der Bille, aufgenommen von dem Biologen Herrn Dr. Friedrich Ullrich aus Reinbek. Zu sehen sind in schönen Fotoaufnahmen Steinfliegen, Eintagsfliegen, Köcherfliegen sowie Kleinkrebse und Weichtiere.
Wirbellose Tiere der Bille
Biotope & Pflanzen im Billetal
Weitere Entwicklung im Billetal
Für das Billetal und die im Naturschutzgebiet vorhandenen Biotope steht die Zeit nicht still. Die Biotope sind trotz Schutz einer ständigen Veränderung unterworfen. Im gesamten Bereich ist der Eintrag von Sand zum Problem geworden, Kiesbänke, die sowohl wichtige Laichplätze für viele Fischarten sind, drohen im Sand unterzugehen. Dies stellt auch für viele Wirbellose ebenfalls ein Problem dar, z.B. für diverse Köcherfliegenarten oder auch für die Flussmuscheln, die ein Grund für den Schutz der Bille sind.
Pappeln und Schwarzerlen
So kann man seit einiger Zeit beobachten, dass an manchen Stellen Pappeln umstürzen. Diese sind viele Jahre vor der Unterschutzstellung des Gebietes gepflanzt worden. Ziel war damals wohl, sumpfige Uferbereiche zu entwässern und Ufer zu stabilisieren. Bei der Einrichtung des Naturschutzgebietes hatte man damals nicht den Schneid oder das Interesse, diese Pappeln zu entfernen. So konnten sie über viele Jahre die Uferzone durch ihre hohe Verdunstungsleistung ausgetrocknen. Dadurch hat sich die natürliche Vegetation verändert, Brennesselflure entstanden. Nun fallen die alten Pappeln von allein kreuz und quer, auch über die Bille, teilweise brechen sie im Sturm und Reststämme bleiben stehen.
Auch im Auwald gibt es aktuell Veränderungen: Viele Schwarzerlen werden gerade von einem Pilz hingerafft, brechen an der Basis und fallen in die billebegleitenden Sümpfe, ohne dass oberflächlichen Beobachtern dies auffällt.
Bille bei Hochwasser mit umgestürzten Pappeln
Neobiota
Im Billetal finden zur Zeit erhebliche Veränderung in der Flora und Fauna statt, die insbesondere auf Neuankömmlinge zurückzuführen sind.
Bei den Pflanzen macht zur Zeit das Indische Springkraut eine rasante Entwicklung durch und dringt von Grande bis Reinbek überall in die Hochstaudenfluren ein und verdrängt teilweise die heimische Pflanzenwelt in der Aue massiv, aber auch Japanischer Staudenknöterich oder Straußfarn dringen an verschiedenen Stellen in die natürlichen Pflanzenbestände ein.
Bei den Tieren sind besonders der Waschbär zu nennen, der sich von einem breiten Spektrum an Tieren und Pflanzen ernährt, auch geschützten Tieren wie z.B. der Flussmuschel. Auch Nutrias, die sich weit überwiegend pflanzlich ernähren, sind inzwischen regelmäßig im Billetal anzutreffen. Unter Wasser ist inzwischen der Signalkrebs teilweise schon recht stark vertreten.
Indisches Springkraut
Pflege des Naturschutzgebietes
Das Billetal ist auch wegen der seltenen Vegetation der Feuchtwiesen geschützt. Leider ist seit vielen Jahren keine Pflege durchgeführt worden, so dass Farn- und Blütenpflanzen überwuchert und teilweise bereits verdrängt wurden. Zurzeit laufen Bemühungen des BUND die Pflege wieder aufnehmen zu lassen, allerdings machen die unterschiedlichen Besitzverhältnisse, verschiedene Behörden-Zuständigkeiten und auch die teilweise schwere Zugänglichkeit dieses Verfahren schwierig.
Obwohl die Bille, von der Wasserqualität und der natürlichen Uferstruktur im Mittellauf, für Schleswig-Holstein fast einmalig ist, gibt es noch viel zu tun. Der BUND hofft auf weitere Verbesserungen durch die Umsetzung von Schutzmaßnahmen oberhalb des Naturschutzgebietes im Rahmen der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, als auch durch die Umsetzung eines Naturschutzmanagementplanes am Oberlauf bis zur Quelle hin.
Zurzeit lastet ein starker Besucherdruck auf dem gesamten Gebiet, was zu Störungen der Flora und Fauna führt. Besonders die Vogelwelt leidet. Aber auch die empfindliche Wasserfauna wird gestört, wenn die Bille etwa auch von Pferden abenteuerlich durchquert wird. Es ist schon länger eine verbesserte Besucherlenkung mit einer teilweisen Verlegung von Wanderwegen geplant, allerdings lassen konkrete Maßnahmen auf sich warten.