Kreisgruppe Stormarn
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Fischaufstiegsanlage Reinbeker Wehr

Fischaufstiegsanlage in Reinbek am Mühlenwehr

Kommt die Fischtreppe jetzt doch?

Die Fischtreppen findet sich gerade wieder in der Diskussion in Reinbek und hat sowohl Umwelt- als auch Finanzausschuss mit einstimmigen positiven Voten passiert. Dienstag, den 30. September 2025 wird vom Reinbeker Stadtparlament nun entschieden, ob die Planungen für die Fischtreppe wieder aufgenommen werden. Aller Voraussicht nach wird das für die Förderung zuständige LKN Itzehoe alles tun, um die Förderquote sehr hoch zu halten und - soweit förderrechtlich möglich - die EU- und Landesmittel dafür umfassend bereitzustellen. Das ganze Vorhaben ist jetzt statt mit 3,7 Mio. Euro (2015) nun mit grob 6 Mio. veranschlagt, was u.a. den enorm gestiegenen Kosten für Ingenieurbauten geschuldet ist, allerdings ist der damals geplante Fischborstenpass nicht mehr gewünscht. In welcher Bauweise jetzt die Anlage geplant wird, ist also völlig offen und könnte ggf. günstiger werden. Erhebliches Hindernisse stellen das Parabelwehr, die denkmalgeschützten Ufermauern (teilweise immer noch marode) und Unwägbarkeiten des Baugrundes dar. 

Geschichte des bisherigen Scheiterns

10 Jahre Stillstand

provisorische Stützmauer nach Hochwasser

 

Alle Fachbehörden und das zuständige Ministerium MEKUN waren sich einig: Die Fischaufstiegsanlage am Reinbeker Mühlenwehr muss kommen. Einzig die Reinbeker Lokalpolitik blockierte bislang den Bau der Anlage; die erwarteten Kosten explodierten. Schließlich ist die bereits erfolgte Planfeststellung ungültig geworden, und damit für die Planung investierte Geld vernichtet worden. Die übergeordneten Behörden liessen die Reinbeker Kommunalpolitik gewähren, warteten sie doch auf den blauen Brief aus Brüssel wegen der Nichterfüllung der Verpflichtungen der Wasserrahmenrichtlinie. Die Wasserrahmenrichtlinie, die einen guten Gewässerzustand für alle Gewässer zum Ziel hat, war offensichtlich nicht so drängend und einst eingeplante Mittel wurden für andere Maßnahmen verwendet. Das LfU als oberste Fachbehörde für Naturschutz- und Gewässerschutz hatte dieses Projekt mit der 1a-Priorität versehen, es half aber nichts. Das Projekt steht außerdem auf der Maßnahmenliste für die weitere Entwicklung für das Flora-Fauna-Habitat Schutzgebiet Bille. Vergeblich.

Ein blauer Brief aus Brüssel wäre auch mehr als gerechtfertigt gewesen, da sich die Reinbeker Kommunalpolitik per Grundsatzbeschluss gegen eine weitere Debatte um die Fischtreppe abschottet hatte. Der BUND ist seit Langem in Kontakt mit verschiedenen Stellen um diesen gezielten Rechtsbruch durch die Stadt Reinbek zu beenden und endlich die Durchgängigkeit der Bille zu erreichen. Hamburg hat inzwischen seine Verpflichtungen zur Herstellung der Durchgängigkeit aller Hamburger Gewässer fast erfüllt. Aber diese Blockade macht auch alle Anlagen an der Bille und Nebenflüssen wie der schwarzen Au, oberhalb von Reinbek, ziemlich sinnlos. Gleichwohl ist der Bau einer Sohlgleite am Naturschutzgebiet Trittauer Mühlenbach weit fortgeschritten.

Reinbek hat inzwischen langwierig und teuer die Sanierung der durch Hochwasser geschädigten Ufermauer auf Reinbeker Seite vollbracht, die eigentlich beim Bau der Fischtreppe in einem Zuge kostenmindernd auch erfolgt wäre.

Fischaufstieg im Unterlauf der Bille

Fischaufstieg in Bergedorf vom Schleusengraben zur Bille

Im Unterlauf der Bille wurden von der Stadt Hamburg die Fischaufstiegsanlagen bereits realisiert. Leider ist die Bille in Bergedorf verrohrt und der Hauptabfluss des Wassers erfolgt nach dem Serrahner Wehr über den Schleusengraben zur Krapphofschleuse in die Dove-Elbe und weiter über die Tatenberger Schleuse in den tidebeeinflussten Bereich der Elbe.

Die Anlage in Bergedorf ist aus Cortenstahl, einer Stahlsorte, die gut im Wasserbereich eingesetzt werden kann und an die industrielle Vergangenheit von Bergedorf erinnern sollte. Die Aufstiegsanlage geriet kurz nach der Fertigstellung in die Kritik, als die Funktionsfähigkeit über ein Gutachten geprüft wurde. Die Zahl von 3 1/2 aufsteigenden Fischen pro Tag wurde von Presse und Fernsehen gerne kolportiert und von Kommunalpolitikern gerne aufgegriffen, um das Bauwerk zu kritisieren. Leider wurde dabei übersehen, dass die Anlagen billeabwärts noch nicht in Betrieb waren und eine Annahme der Aufstiegsanlage nach so kurzer Zeit ohnehin nicht zu erwarten war.

Letztes Hindernis in Hamburg war die Tatenberger Schleuse, die wegen des Tidenganges eine spezielle Durchgangsanlage erhalten hat.

Dr. Florian Schulz

Kreisvorsitzender
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