Worum es geht
Die zwischen 1942 und 1962 gepflanzte Lindenallee ist nach § 21 des Landesnaturschutzgesetzes Schleswig-Holstein gesetzlich geschützt. Die Verwaltung hat dem Bau- und Planungsausschuss bisher drei Varianten vorgelegt: zwei mit Fällung von rund 80 oder 40 Bäumen, eine dritte mit vollständigem Baumerhalt durch eine Einbahnstraßenregelung — diese dritte Variante wird von der Verwaltung allerdings ausdrücklich nicht empfohlen. Eine Sanierung von Straße und Gehweg mit weitgehendem Erhalt der Allee wird von vornherein für nicht durchführbar erklärt. Diesen Befund halten wir nicht für überzeugend belegt.
Was wir kritisieren
Wir nehmen mit Sorge wahr, dass die zur Entscheidung stehenden Varianten den eigenen Klimaschutz- und Klimaanpassungszielen der Stadt Ahrensburg widersprechen. Bereits 2021 hat das städtische Bauamt selbst eine Lösung mit Erhalt der Allee erarbeitet, der der Bau- und Planungsausschuss seinerzeit zugestimmt hatte. Wir sehen keinen sachlichen Grund, weshalb diese Lösung heute auf einmal nicht mehr umsetzbar sein soll. Stattdessen werden rechtliche Spielräume in der öffentlichen Diskussion in einer Weise verkürzt dargestellt, die naturschutzfachliche Belange systematisch unter den Tisch fallen lässt.
Warum die alten Bäume so wichtig sind
Die rund 60 bis 80 Jahre alten Linden erbringen Leistungen, die durch Neupflanzungen über Jahrzehnte nicht ersetzbar sind. Sie kühlen an Hitzetagen die Lufttemperatur im Schatten typischerweise um 1 bis 3 °C, die gefühlte Temperatur um bis zu 10 bis 15 K (Quelle: Umweltbundesamt). Sie halten Niederschlagswasser zurück, entlasten bei Starkregen die Kanalisation, binden Feinstaub und CO₂, mindern den Verkehrslärm im Quartier und bieten Lebensraum für Insekten und Vögel. Mit Blick aufzunehmende Hitzesommer und Starkregenereignisse halten wir es für nicht vertretbar, einen so wertvollen Bestand zu opfern, ohne alle Alternativen ernsthaft geprüft zu haben.
Unser Vorschlag: Variante 4
Wir schlagen eine Lösung in Anlehnung an die 2021er Planung des Bauamtes vor:
- Erhalt der Allee als vorrangiges Ziel
- Erneuerung der Fahrbahn in 6,50 Meter Breite — ausreichend für Bus, Auto und Radverkehr
- Tempo 30 zur Verbesserung der Verkehrssicherheit, insbesondere für den Radverkehr
- Nach einem Rückschnitt der Anliegerhecken lässt sich auf den Abschnitten zwischen den Bäumen beidseitig ein 2,50 Meter breiter Gehweg herstellen — mit einer für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen gut nutzbaren Oberfläche.
- An den Baumstandorten ist der Querschnitt schmaler, dort kommen wurzelschonende Bauweisen wie das schon 2021 vorgesehene TTE-System zum Einsatz; ein durchgängiger Begegnungsverkehr ist an diesen kurzen Engstellen nicht möglich. Solche Engstellen mit Ausweichmöglichkeit sind in den technischen Regelwerken vorgesehen
- Unsere Variante 4 ist damit kein Verzicht auf Barrierefreiheit, sondern eine rechtlich saubere Abwägung — und gegenüber den heutigen ein deutlicher Fortschritt. Unsere Lösung ist ausdrücklich kein Verzicht auf Barrierefreiheit. Im Gegenteil: Die heutigen Gehwege sind teilweise sehr schmal und uneben. Mit unserem Vorschlag bekäme der Waldemar-Bonsels-Weg erstmals durchgängig hochwertige Gehwege — bei gleichzeitigem Erhalt der Allee.
Was wir jetzt erwarten
Der Bau- und Planungsausschuss hat die Entscheidung am 6. Mai 2026 vertagt und für den Sommer 2026 eine Öffentlichkeitsveranstaltung mit externer Moderation angekündigt. Wir bitten ausdrücklich darum, am weiteren Planungsprozess beteiligt zu werden, und erwarten schriftliche Antworten auf die in unserer Stellungnahme aufgeworfenen Fragen rechtzeitig vor dieser Veranstaltung. Wir sind überzeugt, dass eine frühzeitige Einbindung von Naturschutz und Anwohnerschaft zu einer tragfähigeren und besser akzeptierten Lösung führt als eine nachgelagerte Information.